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Heterogenität der Kompetenzentwicklung

Die Heterogenität der Kompetenzausprägung in und zwischen Berufsschule, Berufsfachschul- und Fachschulklassen erscheint bisher in ihrer Vielfältigkeit und angesichts des außerordentlich großen Unterschiedes zwischen den Einzelergebnissen (Testgruppen) keiner Gesetzmäßigkeit zu unterliegen.

Abb. 1: Heterogenität der Kompetenzausprägung, differenziert nach Testgruppen

Mit der Entwicklung des Heterogenitätsdiagrammes (Abb. 2) ist es jetzt gelungen, das Phänomen der Heterogenität der Kompetenzausprägung systematisch zu beschreiben.

Abb. 2: Heterogenitätsdiagramm verschiedener Berufe

Damit steht ein Instrument zur Verfügung, das die Spreizung heterogener Test-/Prüfungs-ergebnisse in und zwischen Testgruppen erleichtert.

Bei der Erhöhung des mittleren Kompetenzniveaus (s. Waagerechte) nimmt die Heterogenität der Kompetenzausprägung von Testgruppen (Klassen) bis zum mittleren Kompetenzniveau (Gesamtpunktwert 40) zu und bei einer weiteren Steigerung des mittleren Kompetenzniveaus bei Werten > 40 nimmt die Heterogenität in den Testgruppen wieder ab. Überraschend hoch fällt bei den zahlreichen Berufen der dualen Berufsausbildung die Spreizung der Kompetenzwerte aus. Sie erreicht Lernzeitdifferenz (s. Senkrechte) von über zwei Jahren Lernzeit. Ein Jahr Lernzeit entspricht einem Punktwert von 20 (Rauner, Piening 2014).

Stagnation der Kompetenzentwicklung

Die Stagnation der Kompetenzentwicklung ist ein in der beruflichen Bildung verbreitetes Phänomen. Im KOMET-Projekt Elektroniker/-innen (Südafrika) wurde eine Stagnation der Kompetenzentwicklung über den gesamten Verlauf der Ausbildungszeit gemessen (Abb. 3 und Abb. 4).

Abb. 3: Vergleich der durchschnittlichen Gesamtpunktwerte der verschiedenen Ausbildungsjahre (RSA 2012)

Die Stagnation der Kompetenzentwicklung ist in diesem Fall vor allem zurückzuführen auf die modularisierte Struktur der Berufsausbildung sowie die darauf bezogene modulare Struktur des Assessment-Verfahrens. Es fand zwar eine horizontale Erweiterung bei der Aneignung elementarer Grundfertigkeiten statt, nicht jedoch eine Erhöhung des Kompetenzniveaus (Abb. 3).

Abb. 4: Horizontale Formen modularer Qualifizierung

Im KOMET-Projekt Elektroniker/-innen (China) wurde das Ausbildungsmodell einer alternierenden Dualität (zwei Jahre College und ein Jahr betriebliche Praxis) untersucht. Dabei fiel das Kompetenzniveau am Ende des Praxisjahres unter das Kompetenzniveau zurück, das die Auszubildenden bereits am Ende ihres zweijährigen College-Studiums erreicht hatten. Zurückgeführt werden konnte dies auf das Fehlen von Ausbildungsordnungen für die praktische Berufsausbildung.

In nahezu allen deutschen Projekten der dualen Berufsausbildung wurde bisher beim ersten Testzeitpunkt bei einem Vergleich des zweiten und dritten Ausbildungsjahres (Querschnitts-Analyse) eine Stagnation der Kompetenzentwicklung gemessen. Bei einem Vergleich einer Testgruppe Industriemechaniker/-innen (zweites und drittes Ausbildungsjahr) mit Studie­renden einschlägiger Fachschulen ergab sich ebenfalls eine Stagnation der Kompetenzentwicklung (Abb. 5).

Abb. 5: Entwicklung beruflicher Kompetenz im Querschnitt (Vergleich Industriemechaniker/-innen zweites Ausbildungsjahr mit drittem Ausbildungsjahr 2011 sowie zweites Ausbildungsjahr mit drittem Ausbildungsjahr 2012)

Zur Aufklärung dieses Phänomens der Stagnation der Kompetenzentwicklung konnten erste Hypothesen begründet werden: Lehrer/Dozenten/Ausbilder transferieren ihre Problem-lösungsmuster (Kompetenzprofile) auf ihre Auszubildenden/Studierenden (Abb. 6).

Lehrer/Dozenten/Ausbilder transferieren ihre Problemlösungs-muster (Kompetenzprofile) auf ihre Auszubildenden/Studierenden

80 Lehrer/-innen und Dozenten der Fachrichtung Kfz-Service beteiligten sich im KOMET-Projekt Kfz-Mechatroniker (China) an den Schülertests.

Abb. 6: Kompetenzprofil der Testgruppen Hochschulen VM, SC, Facharbeiterschulen GZ; im Vergleich Lehrer/-innen (links ) und Schüler/-innen (rechts)

Erstmalig konnte mit dieser Untersuchung der unbewusste Transfer der Problemlösungsmuster von Lehrern/Dozenten auf ihre Schüler/Studierenden empirisch nachgewiesen werden. Für die Didaktik der beruflichen Bildung ist diese Erkenntnis von grundlegender Bedeutung.